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Das absolute Gehör

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Der Mythos des „absoluten“ Gehörs. Nur wenige haben es, andere geben die Hoffnung nicht auf, es vielleicht irgendwann „erlernen“ zu können. Fakt ist: nur einer unter 1.000 oder gar 10.000 Menschen hat es. Wissenschaftler*innen untersuchen derzeit, ob es vererb- oder erwerbbar ist.

Es ist typisch für den Menschen, etwas haben zu wollen, was andere nicht haben: schärfere Sinne, höhere Intelligenz, mehr Wissen. Das liegt daran, dass wir in früher Kindheit bereits damit beginnen, uns mit anderen zu vergleichen, uns mithilfe kleiner Dinge über den anderen zu erhöhen – oder oftmals einsehen müssen, dass andere einfach besser sind als wir. Gute Augen, ein guter Riecher, oder eben bessere Ohren bilden da keine Ausnahme. Und wenn es dann noch Auszeichnungen wie „das absolute Gehör“ gibt, dann hätten wir doch auch gerne eins.

 

Wie kann man „absolut“ hören?

Der Begriff des absoluten Gehörs bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, einen beliebigen Ton genau identifizieren zu können, ohne dass es dabei Hilfsmittel braucht. Ein Mensch mit absolutem Gehör kann zum Beispiel schnell erkennen, ob jemand ein b, ein a, ein fis, oder ein cis spielt oder singt. Wer zu den „Relativhörer*innen“ gehört, braucht immer einen Vergleichston – wie er zum Beispiel durch eine Stimmgabel abgegeben wird. Der Großteil der Menschheit, wir ahnen es schon, besteht aus Relativhörer*innen.

Aber ist ein absolutes Gehör immer auch angeboren? Haben wir keine Chance, es uns anzutrainieren? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler*innen schon eine ganze Weile. Ihre Erkenntnisse im Laufe der letzten Jahrzehnte sind ebenso umfangreich wie vielfältig, können die Frage allerdings nicht eindeutig klären. So gibt es zum Beispiel in China eine weitaus höhere Dichte an Menschen mit absolutem Gehör als im Rest der Welt – unter Musikstudierenden soll die Quote der Absoluthörer*innen sogar bis zu 60% betragen. Was ist hier anders?

Ein erster Anhaltspunkt ist die Sprache. Mandarin ist eine sehr tonale Sprache, die eine hohe Exaktheit in den Tonhöhen erfordert. Wer also in frühester Kindheit die Sprache entdeckt, bringt vieles mit, was es für ein absolutes Gehör braucht. Außerdem fanden Forschende heraus, dass 50% der chinesischen Musiker*innen aus einem Haushalt kommen, in dem ein Elternteil ebenfalls als Absoluthörer*in gilt. Trainieren und ererben – es scheint also möglich?

 

Alles eine Frage der aktivierten Hirnareale?

Um herauszufinden, wie das absolute Gehör funktioniert, ist immer auch ein Blick ins menschliche Gehirn erforderlich, so zumindest die These dreier Wissenschaftler aus den USA und Kanada. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie erhofften sie sich kürzlich qualitativ bessere Einblicke. Je ein Drittel der Teilnehmenden bestand aus Musiker*innen mit und ohne nachgewiesen absolutem Gehör, sowie musikalischen Laien.

Die Forschenden spielten den Teilnehmenden im MRT Töne vor und beobachteten, welches Areal im Hirn durch sie aktiviert wurden. Während sich bei Realtivhörer*innen ein eher homogenes Bild ergab, waren bei Absoluthörer*innen wesentlich größere Teile des Gehirns (sowohl im auditiven Kortex als auch im primären Hörzentrum) aktiv – vor allem jene Nervenzellen, die für die Frequenzverarbeitung zuständig sind, leuchteten hell auf. Es scheint so zu sein, dass die Verarbeitung von Frequenzen der Schlüssel zum absoluten Gehör ist, sofern die Neuronen in entsprechenden Bereichen enger zusammenarbeiten und sich schneller vernetzen.Allerdings bleibt hier die Eingangs-Frage offen: Neuronen hin oder her, kann man das durch Training lernen oder ist unsere Gehirnaktivität eine Frage des Erbguts? Auch wenn der Schlüssel zur Lösung des Rätsels in der Hirnforschung zu finden ist, so wird es wohl noch eine Weile dauern, bis wir den Mythos des absoluten Gehörs gänzlich erforscht haben.

 

Foto: David Hall via Unsplash

Über die Marke Sennheiser

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